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Der Meißener Schnatgang 2015 begann zwischen wogenden Getreidefeldern mitten auf der Birnenallee und neben dem Osterbach mit einem einzigartigen Ausblick auf die Porta Westfalica. Sie war auch der erste Anknüpfungspunkt für Ortsheimatpfleger Karl Heinz Drees.

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Auf der einen Seite das Wiehengebirge mit dem Kaiser Wilhelm Denkmal und auf der anderen Seite das Wesergebirge mit dem Fernmeldeturm auf dem Jakobsberg.

Und daneben der Levernsiek, der Übergang von Süden nach Norden, der schon vor Jahrhunderten ein bedeutender Teil des „Frankfurter Weges“ war und weiter über Meißen und Notthorn bis zur Wesermündung führte.

Erst mit dem Bau der „Cöln-Mindener Eisenbahn“ Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein sicher befahrbarer Durchgang durch die Porta geschaffen, der mit der Neutrassierung der B 482 vor knapp einem halben Jahrhundert seine bisher letzte einschneidende Veränderung erfuhr.  

Der unscheinbare Osterbach mit seinen nachweislich bis 1936 gepflegten Röthekuhlen prägte schon immer Meißen und seine nähere Umgebung. Hier bot sich ein kleiner Exkurs „vom Flachs zum Leinen“ an, denn im Zeitalter der textilen Kunstfasern ist diese mühevolle Arbeit unserer Vorfahren nahezu in Vergessenheit geraten.

Meißen war bis zur Gebietsreform 1973 mit der Porta eng verbunden, da die Gemeinde dem Amt Hausberge angehörte und viele Amtsgeschäfte in Hausberge erledigt werden mussten.

Unübersehbar erinnert der Kirchturm in Lerbeck daran, dass die evangelischen Mitbürger Meißens von alters her bis heute Teil der Kirchengemeinde Lerbeck sind. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges war der Lerbecker Friedhof die letzte Ruhestätte der Meißener Bürger, danach entstand in Meißen ein gemeindeeigener Friedhof mit Kapelle; dieser wird heute von den Städtischen Betrieben Minden verwaltet.

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Auf dem Friedhof selbst konnte Herr Pamin von der Friedhofsverwaltung für viele Teilnehmer überraschende Informationen zu den heute möglichen vielfältigen Bestattungsformen geben. Ob Sarg- oder Urnenbestattung, anonym oder mit eigenem Grabstein, auf der Wiese oder unter einem Baum. Alles ist auf dem Friedhof in Meißen möglich, seit kurzem sogar eine Bestattung einschließlich der Grabbepflanzung und Grabpflege durch die Friedhofsverwaltung.

Bei einem Rundgang konnten der wohl älteste Grabstein einer Umbettung in der Entstehungszeit des Friedhofes betrachtet werden: Außerdem wurdendie Grabsteine des ersten Nachkriegsbürgermeisters, des ersten Nachkriegsschulleiters und es ersten Pastors in Meißen aufgesucht. Karl Heinz Drees bedankte sich bei der Friedhofsverwaltung für die Bereitschaft, diese Grabsteine an ihren angestammten Plätzen zu belassen. Außerdem konnte er auf einen Grabstein aus dem Jahr 1674 und eine Grabplatte aus dem Jahr 1725 verweisen, die sich im Dorf auf Privatgrundstücken befinden.

Das Feld neben dem Friedhof lässt heute nicht mehr erahnen, dass hier in den 1920er Jahren ein Schießstand für die Meißener Schützen stand. Auch auf dem Platz gegenüber des Friedhofes deutet heute nichts mehr auf die „Behelfsheime“ hin, die in den letzten Kriegsjahren Evakuierten aus dem Ruhrgebiet und nach Ende des zweiten Weltkrieges zahlreichen Flüchtlingen und Vertriebenen ein Dach über dem Kopf boten.

Nach derart umfangreichen Eindrücken und Informationen hatten die Teilnehmer die erfrischenden Getränke und en stärkenden Imbiss im Boulegarten der ehemaligen Schule redlich verdient.