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Am Ende des Burgweges trafen sich auf Einladung des Meißener Ortsheimatpflegers Karl Heinz Drees gut 60 interessierte Frauen, Männer und Kinder, um den alljährlichen Schnatgang zu beginnen. Ein passender Ort für einen Schnatgang (Grenzgang), denn hier verläuft die unsichtbare Grenze der Stadtbezirke „Rechtes Weserufer“ und „Meißen“. Aber auch ein historischer Ort, denn hier fanden vor über 25 Jahren zwei Meißener Bürger eine fast vier Kilogramm schwere Gusskugel, die nach Ansicht des damaligen Museumsleiters Dr. Rodekamp aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) stammt.

Die Bedeutung der Cöln-Mindener Eisenbahn war auch entscheidend für die Besiedelung des Burgweges. Nachweisbar wurden die ersten Häuser vor dem ersten Weltkrieg hier überwiegend von Eisenbahnern gebaut. Kurz nach dem ersten Weltkrieg wurde die „Verteilungsstelle 19“ der „Konsum- und Spargenossenschaft Minden und Umgebung“ (später coop) am Burgweg eröffnet, damit war bis Mitte der 1960er Jahre die Lebensmittelversorgung im Bereich Südbruch gesichert.

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Kaum einer der Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte sich vorstellen, dass im Februar 1946 der Burgweg eine Insel war. Nach wochenlangen Regenfällen und den Ausfall der Edertalsperre trat die Weser über ihre Ufer und schnitt die Anwohner des Südbruchs von der Außerwelt ab. Die Grille konnte nur mit Booten erreicht werden.

Der Weg ging vorbei an den denkmalgeschützten Ruinen der Zeche Notthorn, die von 1930 bis zum November 1958 Steinkohle förderte. Erinnerungen an die Sprengung des Wasserturms im März dieses Jahres wurden wach und einige Teilnehmer konnten sich noch an die Seilbahn erinnern, mit der die Kohle zur weiteren Verarbeitung ins Dorf gebracht wurde.

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Einen sehr großen Anklang fand der Besuch beim letzten in Meißen verbliebenen Imker. Manfred Sierig zeigte zurecht mit Stolz seinen Bienenstand und erläuterte sehr anschaulich das geschäftige Treiben seiner Bienen und den mühevollen Weg zur  Honiggewinnung.

Der Meißener Bahnhof, der ab 1918 hauptsächlich der Verladung von Kohle diente, und später auch Endstation der Straßenbahn nach Minden war, ist heute gänzlich verschwunden. Zeichnungen, Bilder oder Gleispläne müssen mit Vorstellungsvermögen verknüpft werden, um sich vorzustellen, wie es hier vor über 50 Jahren ausgesehen haben mag.

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Ein letzter Höhepunkt waren die Ausführungen 88-jährigen Herrn Höltkemeiers. Er berichtete über die erste Poststelle Meißens, die sein Vater im eigenen Haus mehr als ein Jahrzehnt betrieben hat. Außerdem konnte er sich daran erinnern, dass ein Ventilator im benachbarten Luftschacht einen gewaltigen Lärm verursachte und glücklicherweise nicht im Dauerbetrieb im Einsatz war.