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Ortsheimatpfleger Karl Heinz Drees gibt bei Schnatgang interessante Einblicke in Historie Meißens

Minden-Meißen (mt/lkp). Eine große Schar interessierte Meißener Bürger hat am alljährlichen Schnatgang des Ortsheimatpflegers Karl Heinz Drees teilgenommen. Am Treffpunkt im Meißener Bruch ließ sich der nahen Grenze der ehemaligen Gemeinde Meißen auch die Bedeutung des Wortes "Schnatgang" gut erläutern.


Schnatgang: Ortsheimatpfleger Karl Heinz Drees erläuterte den interessierten Teilnehmern an markanten Punkten Details der Geschichte Meißens. | Foto: pr

Aus dem Horizontalbrunnen im Urstromtal der Weser wird aus einer Tiefe von elf Metern ein Fünftel des in der Stadt Minden benötigten Trinkwassers gefördert. Deshalb ist nahezu der gesamte Stadtbezirk Meißen zum Wasserschutzgebiet erklärt worden.
Der am Nordhang des Wesergebirges entspringende, knapp zehn Kilometer lange Osterbach verläuft quer durch Meißen. Er verlässt das Gemeindegebiet nahe der Grille und markiert hier mit einer Höhe von etwa 41 Metern über dem Meeresspiegel den tiefsten Punkt Meißens. Auf einer Länge von 175 Metern wurde 2008 eine naturnahe Umgestaltung des Baches vorgenommen.

Erinnerungen wurden wach, als einer der Zeitzeugen berichtete, wie das Hochwasser im Jahr 1946 die gesamte Niederung um den Ortsteil Südbruch unter Wasser setzte und somit der Burgweg mit seinen Nebenstraßen zur Insel wurde. Das Faltboot eines Anwohners, Wannen und sonstige schwimmfähige Hilfsmittel dienten der Versorgung der Anwohner mit dem Nötigsten.

Der Ortsteil Südbruch erlebte seine Blütezeit und stärkste Wachstumsperiode Ende des 19. Jahrhunderts. Die Eisenbahn zog zahlreiche Arbeitskräfte an, die in der Nähe des Bahnhofs ihre Häuser bauten. Das Adressbuch aus dem Jahr 1900 zeigt auf, dass zu dieser Zeit jedes sechste Haus Meißens im Ortsteil Südbruch stand und dort zwei Drittel der Haushaltsvorstände bei der Bahn beschäftigt waren.

Die heutige Straße Südbruch war zu jener Zeit jedoch nur ein schmaler Wirtschaftsweg mit einer Breite von weniger als vier Metern, der zum Leidwesen aller über einen Steg mit einer Breite von nur 1,26 Meter zur Provinzialstraße nach Bückeburg, der heutigen Grille, führte. Zahlreiche Klagen und Eingaben in den Jahren 1875 bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts führten schließlich zu einer Begradigung und Verbreiterung des Weges und später zu einem Ausbau zu einer Straße.

Alte Mooreiche liegt auf ehemaligem Kötterhof
Eine stattliche alte Mooreiche liegt auf dem Hof Homeyer. Der ehemalige Kötterhof mit der Kontributionsnummer 5 kann bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand die Schachtanlage Notthorn, die 1930 in Betrieb ging und bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 1958 das Bild Meißens entscheidend prägte. Heute stehen die noch erhaltenen Gebäude unter Denkmalschutz.

Uwe Schmale, Vorsitzender des Polizei-Hunde-Vereins (PHV) Minden-Meißen, begrüßte die Besuchergruppe mit berechtigtem Stolz, denn der im Jahr 1976 gegründete Verein verfügt mit seinen weit mehr als 100 Mitgliedern über 6000 Quadratmeter Übungsfläche und über ein stattliches Vereinsheim.

Ein Halt neben dem mit Hilfe von Sponsorengeldern neu gestalteten Spielplatz bedurfte einiger Bilder und Gleisskizzen, um die Stichworte "Haltestelle der Kreisbahn", "Endstation der Straßenbahn" und "Verladestation der Steinkohle" zu verdeutlichen. Mit der Inbetriebnahme des Streckenabschnittes der Schmalspurbahn von Minden nach Bad Nammen erhielt Meißen hier im Jahr 1918 einen Haltepunkt für den Personenverkehr und für die Verladung von Gütern. Die Personenbeförderung durch die Mindener Kreisbahn wurde bereits 1948 auf Busse verlagert. Der Rückbau der Güterverladung ging mit der Schließung der Zeche Meißen einher.

Die für Meißen so bedeutende Straßenbahnlinie hatte hier ebenfalls ihren Endpunkt. Von Dezember 1929 bis November 1956 hat sie in diesen schweren Jahren so manchen Arbeiter zu seinem Arbeitsplatz, so manche Marktfrau zum Markt nach Minden und so manchen Schüler zur weiterführenden Schule gebracht.

Der Weg der etwa 60 Teilnehmer führte schließlich durch das Wohngebiet Nelkenweg. Die in den Jahren 1968 bis 1972 gebauten sechs Wohnhäuser verfügen heute über 78 Wohnungen. Nach ihren in den letzten Jahren durchgeführten Modernisierungen bieten sie zahlreichen Familien eine Heimat.

Vorbei an der Kleingartenkolonie, die sich auf einem Teil des ehemaligen Geländes der Schulgärten befindet, gelangt die Gruppe zum Parkplatz gegenüber dem Friedhof, auf dem sich bis zum Jahr 1968 sogenannte "Behelfsheime" befanden. Diese waren über zwei Jahrzehnte für zahlreiche Familien einfacher, aber preiswerter Wohnraum.

Nur noch ein kurzer Weg bis zum Boulegarten auf dem Gelände der ehemaligen Schule, wo Vertreter vom Verein Pro Meißen mit Bratwurst und Getränken versorgten.

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Dokument erstellt am 08.07.2011 um 21:15:26 Uhr

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